Doppelte Freude dank gleich zweier Fördermittelbescheide
Wienrode. Die Fernwasserversorgung Elbaue-Ostharz GmbH (FEO) versorgt in Mitteldeutschland insgesamt zirka 2,5 Millionen Menschen mit Trinkwasser – allein eine Million von ihnen lebt in Sachsen-Anhalt. Hier betreibt FEO das größte ihrer insgesamt drei Wasserwerke: Das Wasserwerk Wienrode. Unweit davon, zwischen Thale und Bad Suderode befindet sich zudem der letzte einsträngige Fernleitungsabschnitt im Ostharzleitungssystem der FEO. Hier und am Werk in Wienrode werden bis 2030 Baumaßnahmen zur Erhöhung der Aufbereitungs- und Transportkapazität stattfinden.
Für die kommenden Jahre zeichnet sich eine steigende Nachfrage ab – auch vor dem Hintergrund wirtschaftlicher Ansiedelungen – die die bisherigen Kapazitäten zur Lieferung und Vorhaltung zusätzlicher Mengen unter Druck setzt. Um ihr begegnen zu können, gilt es, vorausschauend die entsprechende Aufbereitungsleistung sicherzustellen und verlässliche Redundanzen im Versorgungsnetz zu schaffen.
Deshalb wird von 2027 bis 2030 die Erweiterung der Aufbereitungskapazität des Wasserwerkes in Wienrode realisiert. Ziel ist es, nach dieser Maßnahme pro Tag 30.000 Kubikmeter Trinkwasser zusätzlich aufzubereiten. Insgesamt wird das Werk dann täglich bis zu 210.000 Kubikmeter ins Netz abgeben können. Zudem sollen die Voraussetzungen für den getrennten Betrieb einzelner Ausbaustufen geschaffen werden, wodurch die Resilienz der Infrastruktur gestärkt wird.
Verfahrenstechnisch wird die Aufbereitungstechnologie aus den beiden vorhandenen Ausbaustufen auf die geplante dritte übertragen. Es werden acht neue offene Sandfilter eingebaut und Bestandssysteme, wie die Spülluftgebläse, Spülwasserpumpen und die Steuerluft, werden angepasst. Die Rohwasserzuführung wird einschließlich der Dosierstrecke angepasst und die Steuerung allen neuen Gegebenheiten entsprechend erweitert. Durch die Nutzung vorhandener Gebäudestrukturen, den Umbau ungenutzter Reaktionsbecken und die Einführung redundanter Rohwasserleitungen wird die technische Infrastruktur des Werkes effizient weiterentwickelt.
Das bestehende System der sogenannten Ostharzleitung ist als Zweistrangsystem ausgeführt – bis auf die rund 7 Kilometer lange Trasse zwischen der Schieberstation Thale und der Ortslage Bad Suderode im Landkreis Harz. Dieser Abschnitt stellt einen erheblichen Engpass dar und bedarf des Ausbaus zu einer Parallelleitung – auch, um perspektivisch hydraulisch mehr Trinkwasser aus Richtung Wienrode in die Region befördern zu können. Durch die doppelte Leitungsstruktur können wechselseitige Reparatur- und Wartungsmaßnahmen realisiert werden, ohne beide Stränge gleichzeitig außer Betrieb nehmen zu müssen, und die Ausfallsicherheit wird erhöht.
Wo bereits vorhanden, werden Entleerungsmöglichkeiten und Straßenkreuzungen der bisherigen Trassenführung weiterhin genutzt, an anderen Stellen müssen Bauwerke mit Absperr- und Anhaltefunktion neu errichtet werden, weil die Trassenführung von der der Altleitung abweichen wird, um naturschutzfachlich relevante Gebiete nach Möglichkeit zu schonen.
Im Mai 2026 wurden beide Vorhaben vom Wasserzweckverband „Saale-Fuhne-Ziethe“ zur Förderung von Maßnahmen zur Erhöhung der Wasserresilienz und Anpassung an den Klimawandel von Anlagen der öffentlichen Wasserversorgung (Wasserresilienz von Trinkwasseranlagen) in Sachsen-Anhalt eingereicht. Jenes Programm, welches aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) finanziert wird, hat das Ziel, Versorger bei der Vorbereitung ihrer Infrastruktur auf die Folgen des Klimawandels und mögliche Krisen zu unterstützen. Am 3. September wurden die Bescheide über die Förderung für die Kapazitätserweiterung in Wienrode, in Höhe von rund 16,3 Millionen Euro, sowie für die Förderung des Ausbaus der Fernleitung zwischen Thale und Bad Suderode, in Höhe von rund 19 Millionen Euro, von Prof. Armin Willingmann, Minister für Wissenschaft, Energie, Klimaschutz und Umwelt des Landes Sachsen-Anhalt, im Wasserwerk Wienrode übergeben.
„Der vergangene Sommer hat vielen Menschen deutlich vor Augen geführt, dass der Klimawandel auch in Sachsen-Anhalt immer stärker spürbar ist. Fehlende Niederschläge und starke Hitzewellen sorgten vielerorts für Tiefststände in Flüssen wie etwa der Elbe oder für Einschränkungen bei der Wasserentnahme.“, resümierte Prof. Willingmann vor Ort. „Um unsere Wasserversorgung angesichts dieser Herausforderungen fit für die Zukunft zu machen, fördern wir landesweit Investitionen in die Infrastruktur. Die aus EU-Mitteln finanzierten Finanzspritzen sichern die Trinkwasserversorgung, stärken die Klimaresilienz und schaffen Voraussetzungen für neues Wirtschaftswachstum. Die FEO geht mit der Erweiterung des Fernwassersystems durch den Ausbau des Wasserwerks Wienrode und der neuen Leitung mit gutem Beispiel voran.“
Dr. Dirk Brinschwitz, technischer Geschäftsführer der FEO bestätigte die Tragweite der beiden Investitionsvorhaben, auch aus Sicht des Unternehmens FEO: „Projekte dieser Größenordnung im laufenden Betrieb umzusetzen, ist technisch und organisatorisch sehr anspruchsvoll. Dass wir unseren Partnern und uns das zutrauen, liegt vor allem darin begründet, dass wir Verantwortung für die Versorgung von rund einer Million Menschen in Sachsen-Anhalt tragen. Wir wissen, dass sich Stadtwerke, Kommunen und Unternehmen auf uns als Vorversorger verlassen und können dank der Förderzusagen das Signal senden, dass dieses Vertrauen auch künftig gerechtfertigt und gut angelegt sein wird.“